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Deutsche Soldaten werden nicht als Besatzer wahrgenommen

Bericht der “Badischen Zeitung” vom 15.08.2008
FREIBURG Der Wiederaufbau in Afghanistan kommt nur schleppend voran. Die zunehmende Gewalt schreckt viele in Deutschland lebende Afghanen ab, sich in ihrer Heimat zu engagieren. Annemarie Rösch sprach darüber mit Maliha Zulfacar, der Botschafterin Afghanistans in Berlin.
Sie war auf Einladung des Afghanisch-Deutschen Ärztevereins, der Deutsch-Afghanischen Initiative und des Vereins “Hindukusch – Zukunft für Afghanistan” in Freiburg.Frau Maliha Zulfacar (Foto Rita Eggstein)
Maliha Zulfacar | Foto: Rita Eggstein
BZ: Wie groß ist die Gefahr, dass afghanische Helfer aus dem Ausland Ziel von Gewalt werden?
Zulfacar: Angesichts der letzten Anschläge sind alle Afghanen in Gefahr. Seit 2006, als die Terrorangriffe wieder deutlich stärker wurden, überlegen sich viele Afghanen genau, ob sie zurückkehren sollen. Sie haben ihre Familien in Deutschland und tragen Verantwortung für sie.
BZ: Inwieweit tut die afghanische Regierung etwas dafür, Exilafghanen für den Wiederaufbau zu gewinnen?
Zulfacar: Nach der Afghanistan-Konferenz 2001 gab es viel Enthusiasmus bei den Exilafghanen, insbesondere bei der zweiten Generation. Viele sind zurückgekehrt, weil sie dem Land helfen wollten. Das Kabinett zum Beispiel besteht aus vielen Afghanen, die im Ausland lebten. Afghanistan war aber nicht besonders gut auf die Rückkehr vorbereitet. Das Land war nach langen Jahren des Krieges so zerstört, dass es an allem fehlte, auch an einer Verwaltung, die den Aufbau hätte koordinieren können. Viele Afghanen ließen sich entmutigen, weil sie nicht richtig vorangekommen sind. Zum Beispiel solche, die ein Unternehmen aufbauen wollten, aber auf große Schwierigkeiten stießen. Vieles funktioniert ja nicht in dem Land.
BZ: Wie können die Afghanen trotzdem helfen?
Zulfacar: Die deutsch-afghanischen Vereine in Freiburg leisten sehr effektive Arbeit. Ich bin auch hierhergekommen, um mich zu informieren, inwieweit sie als Vorbild für die Gründung ähnlicher Vereine dienen könnten. Wir müssen zum Beispiel auch Ingenieure und Lehrer besser unterstützen. Der Afghanisch-Deutsche Ärzteverein nimmt jedes Jahr etwa zehn afghanische Ärzte auf, um sie für ein halbes Jahr an deutschen Krankenhäusern zu schulen. Sie sollen mit den modernen Methoden der Medizin vertraut gemacht werden. Generell braucht Afghanistan viel mehr Austauschprogramme mit dem Ausland, damit die Afghanen ihren Ausbildungsrückstand überwinden können.
BZ: Was schlagen Sie vor?
Zulfacar: Bemerkenswert finde ich, dass ein Land wie Indien 1000 Stipendien pro Jahr für afghanische Studenten an seinen Universitäten bereithält. Das hilft uns sehr viel weiter. Afghanistan braucht aber ähnliche Programme mit weiteren modernen und fortschrittlichen Ländern. Zwar kommen auch einige Studenten nach Deutschland, aber es braucht eigentlich weitere Programme, um die Bildungsdefizite in Afghanistan zu beheben.
BZ: Was sollte Deutschland tun?
Zulfacar: Deutschland genießt in Afghanistan hohes Ansehen. Selbst die Soldaten werden in der Bevölkerung nicht als Besatzer wahrgenommen. Das liegt auch am Auftreten der Deutschen, die darum bemüht sind, die Afghanen in die Entscheidungen miteinzubeziehen. Dies wird sehr geschätzt. Deutschland hat sich im Bereich des zivilen Aufbaus, zum Beispiel beim Polizeitraining oder bei der Einrichtung technischer Berufsschulen sehr engagiert. Genau auf diesem Gebiet ist noch mehr Hilfe nötig. Um die Lage der Afghanen insgesamt zu verbessern, braucht es allerdings eine Art Marshall-Plan oder eine einheitlich koordinierte Strategie. Das wäre der beste Weg, um den Terroristen die Unterstützung in der afghanischen Bevölkerung dauerhaft zu entziehen.

Add comment November 10th, 2008

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